Es geht um alles und nichts.

30. März 2009

Von Haus aus

In dem von mir unlängst angelesenen Buch "Lost and Sound", findet Autor Tobias Rapp eine, wie ich meine, sehr pointierte Unterscheidung zwischen den Begriffen bzw. Genres Techno und House.
"Das eine ist die Musik mit dem geraden Bummbummbummbumm. Und das andere ist die Musik mit dem geraden Bummbummbummbumm, über das eine Diva "Release Me!" singt."
(Rapp, Tobias: Lost and Sound, Berlin, Techno und der Easyjetset, Frankfurt a. M. 2009, S. 15 f.)
Übrigens beschreibt das Buch Berlin als (europäisches) Zentrum einer sich im Untergrund stetig erneuernden Szene elektronischer Musik bzw. die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland als (europaweite) Techno-Hauptstadt und analysiert - betont subjektiv bis populärwissenschaftlich - die Zusammenhänge zwischen Techno-Kultur, städtischer Gesellschaft und globalisiertem Weltverständnis (inklusive Ausflüge in Richtung Wirtschaft und Politik).

Was House darüber hinaus aber auch bedeuten kann oder könnte, bringen die nun folgenden Szenen aus dem japanischen Film "Frog River" von Regisseur Hajime Ishimine bildhaft zum Ausdruck.





Release Me!

Von Disco zu Disco zu Disco

Zweimal Großbritannien, einmal Dänemark und jedes Mal Annäherungen an Disco: Filthy Dukes bzw. The Black Ghosts und WhoMadeWho. Zusammen liefern diese drei Bands mit ihren aktuellen Alben allesamt Tanzbodenfeger, die sich sehen, hören und rhythmisch beklatschen lassen können.

Schwarz ist die Nacht und verheißungsvoll noch dazu.


Wiederholungstäter, Kopfbedeckungen und Damon Albarn.


Einfärbig aber trotzdem bunt.

26. März 2009

Heimatfilme

Deutschland 09 - Die Filmemacher Fatih Akin, Wolfgang Becker, Sylke Enders, Dominik Graf, Christoph Hochhäusler, Romuald Karmakar, Nicolette Krebitz, Dani Levy, Angela Schanelec, Hans Steinbichler, Isabelle Stever, Tom Tykwer und Hans Weingartner haben sich zusammengetan, um gemeinsam Kurzfilme zu kreieren, die zusammengenommen eine kritische und vielfältige Momentaufnahme des gemeinsamen Heimatlandes Deutschland zu entwerfen (der Vollständigkeit halber: Hans Weingartner ist zwar ursprünglich Österreicher, lebt und arbeitet meines Wissens nach aber hauptsächlich in Deutschland).
Die Eigendefinition lautet folgendermaßen:
"Über 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, 40 Jahre nach dem studentischen Aufbruch 1968, 30 Jahre nach dem „Deutschen Herbst" 1977, 20 Jahre nach dem Fall der deutsch-deutschen Grenze 1989 und mitten im gesellschaftlichen Umbruch der „Agenda 2010" auf dem Weg in die globalisierte Welt des 21. Jahrhunderts, findet sich eine Gruppe von Kino-Regisseurinnen und Regisseuren aus Deutschland zusammen, um aus ihren individuellen Blickwinkeln ein Panoramabild der gesellschaftlichen und politischen Situation der heutigen Bundesrepublik zusammenzusetzen."



Ein Projekt, das einen kulturellen Beitrag zu einer gesamtgesellschaftlichen Reflexion und Diskussion leisten will. Gemessen an den Pressestimmen, welche die Website des Films auflistet, dürfte erste mediale Schritte in eine solche Richtung gelungen sein.

Oder wie es Mit-Initiator Tom Twyker selbst zusammenfasst, was die gemeinsam verwirklichte Idee dahinter ist:
"ein gutes Dutzend individuelle filmische Blicke auf das, was wir heute und jetzt als Heimat erleben - und wie wir uns in diesem Land verorten, verirren, verstricken."
Eine filmische Annäherung an einen Identität stiftenden Lebensraum, mithilfe diverser Kurzfilme, hat auch das Projekt Paris Je T'aime versucht. Wobei es dort, wie es schon der Titel vermuten lässt, wohl eher im Gegensatz zum oben angekündigten Deutschland-Porträt, mehr um eine phantasievolle Hommage, als um eine kritische Auseinandersetzung geht.

Ungeheuerliches

Auf kurzen dünnen Kindesbeinen stehend, fühlte ich mich damals schon dem Buch, seiner Geschichte und seinen phantasievollen, monströsen, bunt-düsteren Illustrationen verfallen. Der kürzlich veröffentlichte Trailer zur im Herbst (welche Jahreszeit würde sich besser dafür eignen als diese!?) erscheinenden Verfilmung hat nicht nur meine Erinnerungen vor dem gealterten geistigen Auge wach gerufen, sondern auch mein Kind gebliebenes Herz im drängenden Sturm erobert: "Wo die wilden Kerle wohnen" bzw. "Where the Wild Things Are".

Ursprünglich geschrieben und gezeichnet vom New Yorker Autor Maurice Sendak, war dieses erfolgreiche Stück Literatur nach langjährigen Verhandlungen endgültig in die kreativen Hände des namhaften Videokünstlers Spike Jonze gelegt worden und der dürfte, diesem Appetitsanreger von Trailer nach zu urteilen, ein Meisterstück aus dem Meisterwerk gemacht haben.
Er entschied sich für eine Realfilm-Adaption. Um die Story, entsprechend ihren physisch so präsent erscheinenden Figuren, noch fassbarer zu machen, verriet er gegenüber USA Today:
"I wanted them to actually be there," he says of the seven towering creatures that Max encounters. "I think as a kid I wouldn't imagine it as a cartoon. I would imagine they were in my world. There's a danger with Max being there on a real location. Dangerous and exciting."
Eine zumindest auch für mich sehr nachvollziehbare und erfreuliche Entscheidung. Da die Bilder in Buch und Film aber ohnehin für sich sprechen, hier nun also der bildgewaltige Vorgeschmack:



Der trefflich gewählte Song zum Trailer dürfte den Freunden der kanadischen Empathisten Arcade Fire hinreichend bekannt sein - "Wake Up". Erschienen ist er in dieser Form 2004 auf dem Album "Funeral".

In diesem Jahr wurde auch das Skateboard-Video "Yeah Right!" der Firma Girl Skateboards veröffentlicht, bei welchem ebenfalls der umtriebige Spike Jonze gemeinsam mit Ty Evans Regie geführt hat. Die filmisch umgesetzten Ideen sprechen für sich:



Das dynamische Video-Duo hat es auch 2007 für die Rollbrett-Gemeinde (und darüber hinaus) in Sachen Kreativität ordentlich krachen lassen. Diesmal jedoch für die Firma Lakai, unter dem Titel "Fully Flared":



Bekannt wurde Spike Jonze aber vor allem für seine Musikvideos. Von seinen cineastischen Künsten machten unter anderem auch Daft Punk gebrauch:



Was für ein wilder Kerl!

Die Rückkehr der lebenden Toten

Tot gesagte sterben länger oder so ähnlich. Jedenfalls ist meine Wenigkeit am Leben und hat sehr arbeitsreiche Tage hinter sich, welche es leider nicht erlaubt hatten, in aller Ruhe und nach bestem Wissen, Gewissen und Moment dieser Internetpräsenz in der Regelmäßigkeit ihrer Selbsterneuerung gerecht zu werden. Das Ende der Pause bedeutet hiermit offizielle einen erneuten Anfang.

Apropos Zombie: Wolf-Parade-Mitbegründer Dan Boeckner musiziert liebevoll und leidenschaftlich mit seiner Ehefrau Alexei Perry. Dieses Projekt der Ausdrucksstärke nennt sich Handsome Furs. Das eigentlich auch schon seit dem Jahr 2005, was dann 2007 das Debüt "Plague Park" hervorbrachte. Weil das neuerdings Musizierte stringenter, geradliniger, direkter, rauer und noch kraftvoller klingt, und nunmehr in Form des zweiten Albums namens "Face Control" die Welt um eine stilvolle Rotzigkeit bereichert, soll dies mir zur Betonung meiner Distanzierung zum inneren Exil bzw. zur Hervorhebung meiner Lust am hier, gestern, heute, morgen, übermorgen und überhaupt geschriebenen Wort dienen.



Bei der Gelegenheit könnte eigentlich auch gleich an dieses Meisterwerk des Schauderns erinnert werden. Für Albträumer und jene, die es noch werden wollen: Night Of The Living Dead. Gemacht hats der Mann mit der großen eckigen Brille, auch bekannt als George A. Romero.

17. März 2009

Tscha-Tscha-Tscha

Ja-Ja-Jazzanova haben 2008 mit "Of All The Things" nach sechs langen Jahren ihr zweites Studioalbum veröffentlicht und die Überraschung war groß. Mit den vertrackten Nu-Jazz-Funk-HipHop-Entwürfen von "In Between" hatte die Scheibe herzlich wenig zu tun, war aber dafür mit umso mehr Herzblut angereichert.
Soul - steht seither laut und deutlich zwischen den Zeilen ihrer Tracks bzw. Songs geschrieben. Nicht dass Soul und seine Spielarten früher von dem Berliner Produzentenkollektiv vernachlässigt worden wäre, aber mit dieser Platte wurde es als stilprägendes Element ins Zentrum ihres kreativen Schaffens gesetzt. Hauptsächlich live eingespielte Instrumente, analoge Kompositionen und nur wenige Beats kamen zum Einsatz, auch auf Samples wurde fast gänzlich verzichtet. Das Ergebnis war und ist ein ausgesprochen einfangendes, gehaltvolles und überzeugendes Album, das zum steten Wiederhören einlädt. Diese Herren wissen eben was sie wann, wie und wo tun und das tut wiederum den (künftigen) Freunden ihrer Musik gut.

Auf die Bühnen dieser Welt wird diese Platte mithilfe einer passenden Band-Formation präsentiert werden. So beispielsweise auch beim Springnine-Festival in Graz, welches zwischen dem 20. und 24. Mai abgehalten werden wird.
Als Appetitsanreger hier nun das unterhaltsame Video zu der Single "I Can See":



Apropos: Soul und Funk scheinen auch Cha-Cha-Chase and Status für sich entdeckt zu haben. Bekannt für ihre Mischung von Drum & Bass, Dubstep, Breakbeat und HipHop haben die beiden Briten ihren Landsmann Kano mit der Single "Against All Odds" unlängst einen musikalischen Rahmen verpasst, der ihm (auch trotz der relativ bescheuerten Perücke im Video) sehr gut zu Gesicht steht und unsereins ein vergnügt-dreckiges Hustler-Lächeln ins Gesicht zaubert. Gut so, die Herren.



Am 29. Mai werden Chase and Status übrigens im Rahmen des UrbanArtForms in Wiesen die Plattenteller und Lautsprecher bedienen. Am besten, ihr holt jetzt schon mal die Tanzschuhe aus dem Schrank und wärmt euch entsprechend auf.

Großspuriges

Am 27. März startet die verfilmte Biografie von Notorious B.I.G. in den österreichischen Kinos und wird der Einfachheit halber den Titel Notorious tragen.
Der Rapper aus Brooklyn dürfte Vielen auch unter den Namen Biggie Smalls, Frank White und Big Poppa bekannt sein. Noch viel bekannter dürfte aber sein, dass er vor gut 12 Jahren bei einem Mordanschlag auf ihn sein Leben lassen musste. Sein Hang zur königlichen Selbstinszenierung, seine Reimqualitäten, sein Flow, seine großstädtischen wie großmäuligen Ghetto-Erfahrungsberichte und nicht zuletzt auch der Umstand seines Todes haben zu einer Ikonisierung seiner Person geführt, die sich wohl auch in dem, u.a. von P. Diddy produzierten, Film niederschlagen haben wird.



Mit diesem Carry-Grant-Gusterstückchen hat das oben beschriebene Biopic allerdings nichts zu tun. So spannend ist es er wahrscheinlich auch nicht, man weiß ja schließlich was gegen Ende der Spielzeit passieren muss. Außerdem ist ja George Tillman, Jr. auch nicht "That Master of Suspense". Muss und kann er aber auch gar nicht sein.



Und die Moral von der Geschicht'?



Immer stimmt das auch wieder nicht (siehe oben).

13. März 2009

Günstiges Videotelefonieren

Mehr als ein Jahr ist es her, seitdem "Mystery Repeats", das zweite Album der beiden Niederländer Pete Philly & Perquisite, in gut sortierten Plattenläden, irgendwo zwischen den Fächern HipHop, Jazz und Soul, zu finden sein sollte.

Drei Musikvideos zu ebensovielen Tracks gab es bereits seit geraumer Zeit im Internet (und anderswo, vorzugsweise im holländischen Fernsehen) zu begutachten und seit kurzem gibt es eine vierte Videoveröffentlichung aus diesem Album, namentlich die Single "Q&A".
Gedreht wurde im Westerpark in Amsterdam und das besondere dabei: sämtliche Aufnahmen wurden per Mobiltelefonkamera gemacht. Das Ergebnis sieht äußerst gelungen aus und die leicht wackeligen Bilder passen sich geschmeidig dem Rhythmus an. Bescheiden wirken die Bilder, aber aufgrund der vielen kreativen Ideen (Anruf, Musiker im Hintergrund, Choreografie der Breakdancer, Hund, usw.) auch besonders charmant. So lässig und erfreulich, wie nur ein Spaziergang durch den großstädtischen Park sein kann.

11. März 2009

Schweigen ist Silber, Reden ist Goldkette

Mit Entsetzem gegenüber mir selbst, habe ich kürzlich festgestellt, dass das schönste häßliche Entlein des HipHop, namentlich Ugly Duckling, jenseits meiner persönlichen Wahrnehmung ein neues Album veröffentlicht hat. Die Platte trägt den Titel "Audacity" und bis sie endlich in Händen halten und durchhören kann, bleibt nichts anderes, als die verbleibende Zeit mit den bewährten Vorgängerwerken und visuellen Pausenfüllern zu überbrücken.

Die Ritter des Rap-Rechts.



Die HipHop-Hoffnungsträger.



Der Glaube an das game ist der Glaube an die goldchain.

Hey Foxy!

Unlängst habe ich eine kleine aber nicht uninteressante Dokumentation über das, auch soziokulturell und musikalisch sehr spannende, Blaxploitation-Genre entdeckt. Basierend auf Interviewsequenzen und Filmausschnitten wird überblicksartig ein grober Abriss versucht, der für Einsteiger ein interessanter Appetitsanreger gut sein und als solcher auch ebenso gut funktionieren dürfte. Fortgeschrittene und Kenner diverser Filme können sich an kleinen Details erfreuen - etwa an der Lässigkeit von Pionier-Regisseur Melvin Van Peebles, den politisch motivierten Äußerungen von Afeni Shakur, den Jugenderfahrungen von Quentin Tarantino, dem veränderten Äußeren von Pam Grier oder den treffenden Schlussworten des guten alten Fred Williamson. Zum Hören- und Sehenverstehen:



Weil die (wesentlichen) Filme ohne ihre Musik nicht denkbar gewesen wären, soll hiermit auf einen Künstler hingewiesen werden, der nicht nur den Soundtrack zu "The Mack" und "Foxy Brown", sondern beispielsweise auch für Jackson 5 die Hit-Single "I'll be there" geschrieben hat: Willie Hutch. Er produzierte einige Alben für Motown und war sein Leben lang als Musiker aktiv. Seine letzte Solo-Veröffentlichung erschien 2002 unter dem treffenden Titel "Sexalicious". Worum es thematisch gehen sollte, dürfte in etwa eben so eindeutig sein, wie der Vorspann von "Foxy Brown", dessen zentrales Thema der Körper von Pam Grier ist. Ein Fokus bzw. eine Reduzierung, die auch andere Teile des Films prägt. Zum fuchsteufelswild werden?

6. März 2009

Reimflüsse und Staudämme

Wort hinauf.

Reimemachefrauen und -Männer kennen das Problem und das ist oftmals gar nicht schön. Die Ideen wären da und die Arbeit fast vollbracht, aber die Worte bleiben aus wie Sonnenstrahlen in der Nacht. Mit dem Latein schon lange am Ende und auch der Blick ins Reimbuch bringt keine passende Wende. Es könnte so einfach sein, wenn man es nur wüsste, nur dieser eine Begriff, der wie die Faust aufs Auge passen müsste.

Doch dem Internet sei Dank wird man von sowas nicht krank, denn ist auch das Hirn schon müde und blank, das World Wide Web hatte noch für jeden einen Zaubertrank. Obwohl, trinken kann man es nicht und essen ebensowenig, aber mit seiner Hilfe wird jeder Bauer zum König. Leicht zu bedienen, ein ganz simples Werkzeug. Darum klickt einfach mal hin und merkts euch: Die Reimzone ist es und wir freuen uns sehr, Gedankenausfälle gibt es so nimmermehr.

Friede.

Rhyme Time zur Prime Time

Da der nächste Samstagabend bald vor der Tür stehen wird und wir ihn herein lassen und herzlich willkommen heißen wollen, möchte ich bei dieser Gelegenheit auf eine Blog-Projekt hinweisen, dass mich kürzlich beeindruckt und überzeugt hat (Freund Feux zwar schon deutlich früher, aber gut zitiert ist eben nicht schlecht geklaut).

Der äußerst begabte Beat-Bastler Slomo, der nicht weniger talentierte Lunte und der kreative Verbildlicher Textkollektor haben es sich zur geistreichen Aufgabe gemacht, jeden Samstagabend um einen spannenden HipHop-Track samt dazugehörigem Video zu bereichern. Die bisherigen Produkte ihres Ideenreichtums sind auf ihrer Website zu begutachten.

Als kleine Anregung, die nebenbei auch noch mal die wichtigesten Informationen zusammenfasst, hier ihr erster Samstagabendprogrammgestaltungsbeitrag:



Erfrischend anders, originell und intelligent - so schön und unkompliziert kann HipHop sein.

Sonderberichterstattung

Eine besonders erwähnswerte Veranstaltung wurde in meiner Liste vom März bisher nicht erwähnt und soll hiermit nachträglich seinen verdienten Platz in der Reihe der Abendprogrammempfehlungen bekommen.

Wann? Am 7. März werden Köpfe genickt und die Hüften geknickt und die Synapsen gezwickt werden.

Wo? Im Wiener Club U.

Wer? Mark Pritchard a.k.a. Harmonic 313 & Dorian Concept.

Warum? Weil der erstgenannte Herr unlängst auf Warp Records ein Album namens "When Machines Exceed Human Intelligence" veröffentlicht hat, dass sich wahrlich hören lassen kann und der zweitgenannte demnächst was veröffentlichen will, was sich bestimmt auch gut in meiner (und eurer) Plattensammlung macht.

HipHop, Dubstep, Techno und IDM in minimalistisch-futuristischer (aus der Sicht einer geschichtsbewussten Vergangenheit) Feinstarbeit in einander verworren und tanzbar gemacht. Das Magazin De:Bug spricht zurecht von "Höchstform" und "Reine Science Fiction!". Intro meint dazu, dass "Pritchard dem analogen Sound optimistischer 60er-Zukunftsutopien hier plärrende C64-SID-Sounds sowie eine nächtliche, kalte 'Blade Runner'-Ästhetik entgegensetzt", was erst die "ungemeine Spannung" dieses Werkes ausmache. Ich meine, das stimmt so und ergänze: Weltscheibe.
Wem "Los Angeles" von Flying Lotus gefallen hat, dürfte wahrscheinlich auch hiermit seine Freude haben.

Und weils so schön ist, hier gleich zum mitsingen:



5. März 2009

Schwarzweißes Gefieder

„Du findest echt Vogelgeräusche schön und biten super“
Diese Zeile verpackte Olli Banjo noch in seinem 2005 erschienem Album "Schizogenie".


Vier Jahre später, erneut in Zusammenarbeit mit Jonesmann, bilden Vogelgeräusche die klangliche und thematische Basis für die erste Single-Auskopplung der neuen Platte. In Anlehnung an die altbekannten Prügelknaben Bud Spencer und Terence Hill, haben die beiden Rapper ihrem Werk den verheißungsvollen Titel "4 Fäuste für ein Halleluja" gegeben. Seit dem 27. Februar ist die Scheibe käuflich erwerbar und zum besagten Track ("Vögel") wurde vor kurzem auch ein Musikvideo der Öffentlichkeit präsentiert.



Was die Inspirationsquelle zur bildlichen Umsetzung des Tracks gewesen ist, dürfte für Kenner von Frank Miller's Sin City auf der schwarzweiß gefärbten Hand liegen. Außerdem ist seit dem 5. Februar auch die Miller'sche Filmadaption von The Spirit in den deutschen Kinos zu sehen (in Österreich aufgrund schlechter Einspielergebnisse in den USA und Deutschland nur irgendwann auf DVD). Möglicherweise hat diese Comicverfilmung auch zur Ideenfindung beigetragen. Die verwendete Ästhetik wäre die gleiche.
Ähnlich inspiriert fühlte sich auch der amerikanische Produzent Timbaland, als er vor gar nicht all zu langer Zeit gemeinsam mit der schwedischen Band The Hives den Song "Throw It On Me" veröffentlichte. Vielleicht löst ja Marv sogar noch Tony Montana in seiner Rolle als (fragwürdige) HipHop-Ikone ab, Narben hätten sie beide genug.

Gut geklaut ist besser als schlecht zitiert? Schwer zu beantworten, nachdem Olli Banjo aber angekündigt hat, dass er sich mit seinem nächsten Album dem Rock'n'Roll widmen möchte (Jonesmann hingegen will sich vermehrt mit R'n'B versuchen), würde sich der Inspirationskreis ja fast wieder schließen lassen. Hauptsache der Beat stimmt (und die Homobhobie bleibt aus, das hätte Olli B. nämlich wirklich nicht nötig).

2. März 2009

Austria's next role model

In der Ausgabe 36 vom österreichischen "HipHop & Rare Groove Magazin" The Message war bereits zu lesen, dass es aus Favoriten, der 10. Wiener Gemeindebezirk, bald wieder was auf die Ohren gibt. Wien X, Phat Frank und EMC - das seien die Schlagworte, auf die es 2009 zu achten gelte.
Schon vor Jahren für brutalen Straßen-Rap und Auftritten mit Prostituierten bekannt, erklärten EMC nun im Interview, dass wieder mit ihnen zu rechnen sei. Dass die notwendigerweise gefühlte und versprühte Verbundenheit zur Straße, vorbildlich gelebte Ghetto-Ästhetik und die dazugehörige Glaubwürdigkeit auch in Österreich nicht angezweifelt werden müsse, betonte die Gruppe mehrfach:
"Dinge, die in unseren Tracks vorkommen, haben Leute aus der Crew oder dem engeren Freundeskreis erlebt. Da ist null Fantasie dabei. Wir sehen uns als Sprachrohr unserer Gemeinschaft."
Gleichzeitig wurde auch persönliches Sehen und mediales Nicht-Sehen von EMC thematisiert:
"Wir rappen über das was wir sehen und das was uns beeinflusst. Die Leute regen sich immer auf, dass es keine soziale Brennpunkte gibt und Ghettos. Die haben eine falsche Auffassung vom Leben.
(...) Was im Fernsehen nicht gezeigt wird existiert nicht."
Ear to the street bzw. This shit is real und so weiter. Über Homophobie wurde übrigens leider nicht gesprochen, die Meinung von Phat Frank zu diesem Phänomen im (deutschsprachigen) HipHop lässt sich wohl an seinen Grußworten gegenüber allen Linzer Rap-Musikern ("vor allem die Tonträger-Leute") ablesen:
"Linz kann nichts dafür, dass sie nur schwule Rapper haben."
Noch lässt die Veröffentlichung des angekündigten Albums auf sich warten. Auseinandersetzen kann man sich derweil mit dem 2004 erschienenem Werk "Domination Compilation" und diversen aktuellen Online-Tracks.

kurzweilig aber knackfrisch

Am 22. Februar haben The Gaslight Anthem im Wiener Flex ihr neues Album "The '59 Sound" vorgestellt. Meine Wenigkeit konnte leider nicht anwesend sein, um die vier Musiker aus New Jersey willkommen zu heissen. Und das obwohl die besagte Platte wirklich eine sehr hörenswerte, weil eine erfrischend durch Mark und Bein fahrende sowie interessante Homage an soulful Punkrock und vor allem Bruce Springsteen ist.

Jedenfalls wurde vor kurzem ein neues Video der Band veröffentlicht. Die Bildästhetik des Clips zu "Great Expectations" ist leider alles andere als erfrischend, unterstreicht aber die Energie (auch im Sinne von Emotionalität) und Performance-Qualitäten der musikalisch altklugen jungen Wilden.
Die großen Erwartungen sind optisch also eher enttäuscht worden. Die übrigen Musikvideos zu dieser Platte nehmen sich da ebenfalls nicht unbedingt aus. Große Gefühle, große Gesten und großes Kino - hörenswert sind die Songs allemal. Musik funktioniert ja schließlich primär über das Hören und im Falle von The Gaslight Anthem sogar sehr gut.





1. März 2009

Latzhosenträger aus Leidenschaft

Der Mann, der in die Röhre blickt. Der Mann mit dem richtigen Werkzeug. Der Mann fürs Grobe. Der Mann für dreckige Geschäfte. Der Mann, der hinter Gold her ist. Der zielstrebig Mann. Der Mann, der läuft. Der Mann, der springt. Der Mann, der Abgründe überwindet. Der Mann der Tat. Der mutige Mann. Der italienische Mann. Der Mann der gerne Pilze, Sterne und andere Kraftnahrung zu sich nimmt. Der Mann, der klein gewachsen ist, aber gegebenenfalls über sich hinaus wächst. Der Mann mit dem gewissen Etwas. Der einfache aber effektive Mann. Der Mann, der einen dichten Oberlippenbart, meist eine Latzhose, eine rotes Hemd und eine ebenso rote Mütze trägt. Der Mann mit dem bösen Doppelgänger. Der Mann mit dem besten Freund, der sein Arbeitskollege und sein Bruder ist. Der Mann der das Böse blaue besiegt. Der Mann, der die Prinzessin bekommt. Der Mann, dessen Mutter Nintendo heißt. Ein Super-Mann: Mario.

Der Mann, der viele Menschen inspiriert:







Was für ein Mann!