Es geht um alles und nichts.

28. Februar 2009

Nachtrag zum Nachtleben im März

Es drängt sich bei mir das Gefühl auf, dem zuletzt gemachten Beitrag eine Art Rechtfertigung nachzuliefern. Genauer gesagt handelt es sich um die Veranstaltung am 29. März, der Abend an dem Sua Kaan gemeinsam mit anderen im Wiener Volksgarten auftreten.
Zu den anderen gehört besonders auch Baba Saad, der am besagten Tag Headliner sein wird.

Dieser hat auf seiner Myspace-Seite unter anderem den Track "Jamila" zur hörbaren Verfügung gestellt. Inhaltlich werden offenbar negative Erfahrungen in der Beziehung mit einer bestimmten Frau verhandelt, doch die Schlüsse die Herr Saad zieht, sind patriarchale, sexistische und gewaltvolle.
Gewalt gegenüber Frauen, die Instrumentalisierung und Herabwürdigung von Frauen zur Profilierung des eigenen Status und zur Betonung patriarchal-hierarchischer Machtverhältnisse scheinen mittlerweile leider auch im deutschsprachigen Rap so etwas wie Tradition zu haben. Denn Bözemann, der selbsternannte Feind von Massiv, der Hardcore-Gangster-Rapper, der nicht mit Reimqualitäten, sondern mit Antismetismus und anderen Überflüssigkeiten von sich Reden gemacht hat, hat ebenfalls vor kurzem einen Track veröffentlicht, der sich am weiblichen Geschlecht gewaltvoll abarbeitet, um sich selbst zum Patriarchen zu krönen.

Mit qualitativem (Gangster-)HipHop, interessantem (Hardcore-)Rap hat das alles leider sehr wenig zu tun und unsere Kinder oder Kindeskinder werden davon wohl auch nicht verführt werden. Vielmehr geht es hier um gewachsene (patriarchale) Gesellschaftsstrukturen, die derartigen Veröffentlichungen einen (beinahe) kritiklosen Boden bieten, der Gewalt gegenüber Frauen salonfähig und vermeintlich Genre-immanent macht. Das muss sicherlich nicht so sein.

Sua Kaan werden auf dieser Seite übrigens deswegen erwähnt und ein Auftritt von ihnen deshalb empfohlen, weil ihr Zugang zu sogenanntem Straßen-Rap ein erfrischend anderer und etwas reflektierterer zu sein scheint. Außerdem haben sie aufhorchen lassen, 2009 ein erstes Album zu veröffentlichen. Wir bleiben gespannt und hoffnungsvoll.

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