Es geht um alles und nichts.

1. Jänner 2007

Die List der Liste.

Da wir uns ja quasi in einer Übergangszeit befinden und allerorts zusammenfassend festgehalten wird, was das vergangene Jahr denn alles dargeboten oder eben nicht zu Tage gefördert hat und versucht wird in einer Unzahl von Listen vergangenes einen kategorisch korrektes Kleidchen zu verpassen, möchte ich in diese Litanei der listigen Auflistungen miteinstimmen und eigenständig produzierte Aufzählungen zur kritischen Schau stellen.

Anbei noch die Erwähnung, dass in der Aktuellen Ausgabe (Nr. 072) des von mir persönlich sehr geschätzten Magazins über Popkultur namens The Gap ein sehr lesenswerter Artikel über die allgemeine Hysterie determinierende Listen zu erstellen, denen oftmals eine (vertuschte) Willkür anhaftet, was sowohl die kontroversiell zu behandeln Produzenten, als auch die nicht minder diskutablen Konsumenten, und ihre gemeinsame Reproduktion von bestehenden Herrschaftsverhältnissen durch ebendiese Reihungen betrifft. So wird in dem besagten Text Lust auf Listen (Alliterationen sind offensichtlich ein nicht nur von mir gern verwendetes Instrument des textlichen Tunings) von Stefan Niederwieser auf einen mitzudenkenden Misstand hingewiesen, denn diese "Form der reihenden Geschichtsschreibung bevorzugt bestimmte, subkulturell geprägte Musik und dient vorwiegend einer ganz bestimmten - bürgerlichen, weißen, männlichen - Käuferschicht als historisches Korrektiv. Die Fixierung auf einzelne Komponisten früherer Tage droht sich fortzusetzen. (...) Damit wäre Popmusik erschreckend eindimensional." Diese Kritik bezieht sich vor allem auf Listen mit selbstgewähltem, historischen Anspruch aber Eindimensionalität ist prinzipiell ja wohl genau das Gegenteil wonach popmusikalisch interessierte Menschen wie ich trachten. Deshalb ist dieser pointierten Argumentation vielleicht auch nur hinzuzfügen, dass eine so geartetes Festhalten historischer Ereignisse - in diesen wie in anderen Kontexten - der allgemeinen und als objektiv verstandenen Auffassung der Vergangenheit eine normativ anmutende, subjektive Perspektive verpasst, die mit vermeintlicher Allgemeingültigkeit die Gegenwart bestimmt, wenig bis keine Kritikfähigkeit zulässt und in eine sehr fragwürdige Zukunft weist.

Angesichts dieses gerade skizzierten Umstandes, sei mit aller Deutlichkeit darauf hingewiesen, dass von mir hier angeführten Listen allein den von mir selbst erstellten, beschlossenen und exekutierten Gesetzen der Klausemann'schen Subjektivität unterliegen und somit nur für mich persönlich Gültigkeit besitzen (jene, die sich der Ehrlichkeit verpflichtet fühlen, wissen aber genauso gut wie ich, dass meine Favoriten gleichzeitig auch unser aller Favoriten sind, was das oben genannte möglicherweise obsolet erscheinen, die folgenden Reihungen aber umso wahrheitsgetreuer und universell - Universum, ha! - gültig werden lassen).


Kommen wir zum Wesentlichen:

Nennenswerte Konzerterlebnisse des Jahres 2006:
I) Final Fantasy, Innsbruck - ein unglaublicher Mensch, der wunderschöne Musik in Gehörgänge und Herzen zaubert. Was für ein Konzert!

II) Xiu Xiu, Madrid - einer der eindringlichsten Impressionen einer ereignissreichen Städtereise; auch wenn sie bzw. das Publikum sich unwillig gegenüber einer Zugabe zeigten, kam die gebotene Kunst in "gewohnter" Größe daher (es war mein zweites Mal mit diesen beiden AusnahmekünstlerInnen).

III) TV On The Radio, Wien - zugegeben, der Sound war aufgrund technischer Schwierigkeiten einigermaßen schlecht aber die Kraft der Musik funktionierte trotz allem tadellos, das konsumierte Bier, die im Kopf gespeicherten Songs ihrer LPs und EPs und die leicht ungewisse Vorfreude auf die Yeah Yeah Yeahs taten ihr übriges, die Hochgefühle präsent sein zu lassen; die Tatsache, dass ich diese Vorzeigeformation nach langem innerlichen Lechzen endlich zu Gesicht bekam, lässt das Konzert der fantastischen Sodastream nicht auf dem verdienten dritten Platz dieser Liste aufscheinen (siehe Extra-Kategorie "Klausemann trägt Gans").

IV) Dendemann, Innsbruck - laute, krachende Rand Beats und ein MC, der weiß was er tun muss um meine Wenigkeit und einen bis an den mit Menschen angefüllten Club in willige Wallungen zu versetzen; auf dem Konzert ist mir mit aller Klarheit bewusst geworden, warum ich Hip Hop und guten Sprechgesang so schätze, Dende' sei Dank!

V) Subtle, Innsbruck - neben den ekstatischen Ausbrüchen, die einst Turbonegro in Wiesen zum Besten gaben, die beste Live-Show, die meine musikverliebten Augen je wahrnehmen und verschlingen durften.


Gänsehautkonzerterlebnis bzw. Klausemann trägt Gans 2006:
I) Sodastream, Innsbruck - absoluter Wahnsinn; noch Tage nach dem Konzert stellte sich beim Hören einzelner Songs der beiden Barden hartnäckige, über den ganzen Körper verteilte Gänsehaut ein.

II) The Weakerthans, Wien - wer ihre musikalischen Perlen, sprich alle Alben, lieben gelernt hat, kann sich in den schönsten Farben ausmalen wie umwerfend das Konzert dieser Sympathieträger war.

Diese Auswahl entspricht meinem momentanen Erinnerungsvermögen und ist durch das Fehlen meines Kalenders entsprechend repräsentativ, abgesehen von den aufgelisteten Gehörgenüssen gab es im vergangenen Jahr auch andere Nennenswerte, die mein Gemüt erfreuten aber dennoch erscheint mir

2 Kommentare:

Georg hat gesagt…

ist ja allerhand los hier; zum sich knoten in die augen zu lesen, den bildschirm beim mit-dem-finger-über-die-zeilen-zu-fahren verkratzen...
freut mich jedenfalls, daß sodastream erwähnung gefunden habe. einige eindrücke von eben jenem konzert gibt's übrigens hier:
http://picasaweb.google.com/georg.nigsch/Sodaclub

hoffe deine ferien waren soweit schön und daß sich unsere weg in ibk bald wieder kreuzen. vermutlich spätestens am 11.01 im treibhaus...

lg

Der Holzkopf hat gesagt…

dankeschön, ich hoffe, dass auch deine freien tage und besonders das konzert des brachial-barden austrofred mehr als ein füllegefühl - sei es durch den übergenuss von vanillekipferln oder eigenwillige interpretationen alter queen-klassiker - in der magenregion, sondern vielmehr schöne gefühle der erfüllung gebracht haben.

allerspätestens, wenn herr aström kristofer am elften januar das bergdorf großstädtischen eifers mit seinen klängen in musikalischen zauber zu hüllen beginnt, werden wir aufmerksam zur gleichen zeit am gleichen ort sein.

gruß